Mit dem „Q. Dein Raum für Wissenschaft“ bekommt Wien ein neues Wissenschaftszentrum. Der Umbau nutzt die städtebaulichen Potenziale des historischen Bestandshauses und stärkt dessen Präsenz im öffentlichen Raum. Kern des Entwurfs ist die Öffnung der markanten Bogenstruktur zwischen Wollzeile und Bäckerstraße. Dadurch wird die ursprüngliche Durchwegung des Gebäudes wiederhergestellt und eine bislang ungenutzte räumliche Qualität aktiviert. Wissenschaft wird im Stadtraum sichtbar und unmittelbar erfahrbar.
Ausgangspunkt des Entwurfs ist die Aktivierung vorhandener Qualitäten des Bestands. Das Gebäude, zuletzt als Aula der Wissenschaften genutzt, nimmt zwischen Wollzeile und Bäckerstraße eine zentrale innerstädtische Lage mit hoher öffentlicher Sichtbarkeit ein. Diese Position bildet die Grundlage für ein Wissenschaftszentrum, das den Dialog mit dem Stadtraum sucht.
Sowohl der Vorplatz auf Seite der Wollzeile als auch die Spange zwischen den zwei Verbindungsbrü-cken zur Akademie der Wissenschaften in der Bäckerstraße fassen urbane Vorplätze, die stärker mit dem Bestandshaus interagieren möchten. Der Entwurf versteht diese Bereiche als einladende Platzsitua-tionen und stärkt ihre Beziehung zum Gebäude.
Die Öffnung der repräsentativen Bogenachsen schafft eine neue öffentliche Passage zwischen den beiden Straßenräumen. Die ehemals geschlossenen Bereiche werden Teil eines durchlässigen Stadtraums und ermöglichen neue Wegebeziehungen sowie Sichtachsen. Das Wissenschaftszentrum wird dadurch stärker in den urbanen Alltag eingebunden und bereits beim Passieren erlebbar.
Entlang der neuen Arkade entstehen niederschwellige Begegnungen mit den Angeboten des Hauses. Ein öffentlich zugängliches Arkadencafé ergänzt die Nutzung und trägt dazu bei, den Ort als offenen Treffpunkt für unterschiedliche Nutzergruppen zu etablieren.
Die denkmalgeschützte Alte Aula wurde vor rund 20 Jahren umfassend saniert und verfügt über eine hohe räumliche und gestalterische Qualität. Der Entwurf knüpft an diesen Bestand an und entwickelt ihn durch eine behutsame programmatische Neuorganisation weiter. Ziel ist es, einen offenen Ort für Dialog, Wissenschaftsvermittlung und interaktive Formate zu schaffen, ohne den Charakter des historischen Gebäudes grundlegend zu verändern.
Das 1624 als Teil des Jesuitenkollegs errichtete Gebäude wird künftig über die neu gestaltete Foyersituation an der öffentlichen Passage erschlossen. Der Eingangsbereich wird erweitert und als zentrale Informations- und Aufenthaltszone neu organisiert. Eine konsumfrei nutzbare Aufenthaltsfläche ergänzt das Foyer und kann bei Bedarf als zusätzliche Garderobe genutzt werden.
Im ersten Obergeschoss werden die Ausstellungsflächen neu strukturiert und um einen Workshopbereich ergänzt. Maßgefertigte Einbauten sowie akustisch wirksame Vorhänge schaffen die räumliche Flexibilität für unterschiedliche Vermittlungsformate wie Workshops, Vorträge oder Diskussionsveranstaltungen.
Kleinstmögliche Interventionen mit größtmöglicher Wirkung: Die baulichen Eingriffe beschränken sich – auch angesichts des begrenzten Budgetrahmens – auf ein notwendiges Minimum. Der Magnesit-Estrich wird in der Fläche nur soweit notwendig oberflächensaniert. In den Randbereichen wird der Bodenaufbau zum Einziehen der neuen Heiz-/Kälteleitungen geöffnet.
Vier Einbaumöbel übernehmen die neuen funktionalen Anforderungen des Hauses: Bar, Infotresen und Diskurstheater im Erdgeschoss sowie ein Workshopkubus im ersten Obergeschoss. Aus schwarz lasierter beziehungsweise naturbelassener Eiche gefertigt, setzen sie einen klar ablesbaren zeitgenössischen Akzent innerhalb der zurückhaltenden „White Cube“ Bestandshülle.
Das Diskurstheater im EG mit „LED-Cave“ ist einerseits als autarke Einheit nutzbar und schafft eine räumlich geschützte Atmosphäre. Es kann jedoch auch als Einführung in die Ausstellungsschwerpunkte kuratorisch genutzt werden.
Im Jesuitensaal im 2. Obergeschoß wird die denkmalgeschützte Deckenmalerei in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt restauriert und der Saal zu einem zeitgemäßen Veranstaltungsraum ertüchtigt.
Im Spannungsfeld zwischen Denkmalschutz, den Anforderungen eines modernen Ausstellungsgebäudes und den Bedürfnissen öffentlicher Räume entsteht im 1. Bezirk als Gemeinschaftsprojekt von Universität Wien, Technischer Universität Wien und Österreichischer Akademie der Wissenschaften ein neues Wissenschaftszentrum, das 2027 seine Pforten öffnen soll.
| Zeitraum: | 2025-2027 |
| Auftraggeber: | BIG Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H / ÖAW / Universität Wien / TU Wien |
| Adresse: | Wollzeile 27A, 1010 Wien |
| Mitarbeit: | Patrick Gröller Leo Hollmann Lisa Detter Achim Eilmsteiner Ajdin Vukovic |
| Auszeichnungen: | Verhandlungsverfahren, 1. Rang |
| Fotos: | David Schreyer |
| Status: | In Bau |